Internationale Besetzer Mailingliste

  Internationale Besetzer Mailingliste


Seit heute gibt es eine internationale Mailingliste ueber Besetzen – von und fuer BesetzerInnen (und solche die es werden wollen)

Die Initiative fuer dieses Projekt kommt von den Leuten aus den Niederlanden, die seit langem gute Erfahrungen mit der Mailing-Liste “kraken-post” gemacht haben – Diese Liste funktioniert seit bald zwei Jahren und wird rege genutzt.

Alles was mit Besetzen zu tun hat, soll in diese Liste fliessen: Einzige Bedingung: Jeder Beitrag auf der Liste soll mindestens zwei Sprachen enthalten – also macht euch die Muehe, auch mal nen bisschen was zu uebersetzen!

Abonnieren: schick eine leere Mail an kraken-int-subscribe [at] dvxs [dot] nl

Fuer die Liste schreiben: kraken-int [at] dvxs [dot] nl

about kraken-post (Dutch version): http://www.dvxs.nl/~skwot/

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Besetzte Räume sind visuelle Brüchen der herrschenden Ordnung

  Besetzte Räume sind visuelle Brüchen der herrschenden Ordnung


Auf der letzten Vollversammlung der Roten Flora gab es im Rahmen der Diskussion um das aktuelle Vertragsangebot die Aufforderung, daß aus der großen Gruppe derjenigen, die gegen Verandlungen sind, eine Vorstellung entwickelt werden sollte, wie dieses vertreten und umgesetzt werden könnte. Mit dem folgenden Papier wollen wir, (Hobby 98, eine Gruppe aus dem Umfeld) daher einige Punkte darstellen, weshalb wir gegen Verträge und gegen Verhandlungen sind. Wir sehen diesen Entwurf als Beitrag für eine breite Diskussion an, aber auch als eine mögliche Basis für die politische Vermittlung einer solchen Entscheidung nach außen.

Die Flora als politisches Projekt, als Anregung und Zeitgeistmetapher der Revolte, kann nur ohne Verträge gehalten werden!

Letztlich geht es bei der Abwägung, ob Verhandlungen eingegangen werden sollen, um die frage, wohin wollen wir mit der Flora als Projekt. Sicherlich stellt sie eine bedeutende Infrastruktur für die linke Szene in Hamburg dar. Mehr als dieses noch, steht sie aber für die politische Idee von Emanzipation Selbstbestimmung und Widerstand.

Der Nutzen und das Elend von Vertärgen läßt sich daher nicht pragmatisch beantworten, sondern es geht um die politische Bestimmung der eigenen Verortung innerhalb des gesellschaftlichen Wertesystems Die Flora hat dabei einen Vorteil Sie ist aus der Illegalität heraus gewachsen und ihre Strukturen und praktischen Arbeitsweisen haben sich in eben diesem Terrain entwickelt. Sie stellt damit allein aufgrund ihrer Existenz ein Unruhepotential und einen Angriff auf die herrschenden Werte dar. Dieser Zustand des nichtstaatlich Definierten und -Regulierten bietet Anknüpfungspunkte für die Phantasie der BetrachterInnen Ein solches Wecken und Greifbarmachen von Sehnsüchten nach Veränderung ist allemal mehr wert, als der Versuch, über Verträge einen gesicherten Status im zugestandenen Spielfeld der neoliberalen Ordnung zu erlangen.

Mit den Kämpfen um den Erhalt des Projektes kann die Flora einen Beitrag leisten zur Neudefinition eines Konfrontationsverhältnisses, das jenseits von Identitätspolitik autonome und widerständische Lebenswelten erschließt und in frage stellt. Denn eine Flora, die Verträge ebenso konsequent ablehnt wie Verhandlungen bringt fühlbar zum Ausdruck, was heutzutage meist nur noch theoretisch formuliert wird: Wir bleiben auf den Spuren der Befreiung.

Klar, Verträge bieten Sicherheit. Der Kampf um Selbstbestimmung aber bietet Adrenalin, Trend-Sport und Illusionen von Iserlohener Revolutionen.

  Das rockt einfach mehr…

Verhandlungen sind kein Angebot der Stadt, sondern ein Angriff!

Verhandlungen abzulehnen, ist die konsequente und glaubwürdige Weiterentwicklung einer Politik, die die Flora seit Jahren vertritt (Kein Weg mit der Steg, Weg mit dem Quartiersmanagment). Unsere Auseinandersetzungen um Umstrukturierung, Ausgrenzung und innere Sicherheit sind eine Praxis, die eine Unverträglichkeit der Flora geradezu einfordern. Verhandlungen sind nur ein mittel der Stadt, mit dem Ziel “Rechtssicherheit” und Befriedung zu inszenieren. Die Lösung der “Probleme” im Schanzenviertel steht auf dem Speisezettel der Stadtplanerlnnen. Unsere politische Praxis ist aber nicht verhandelbar. Verhandlungen bergen das Risiko, sich die politischen Themen aus der Hand nehmen zu lassen und uns auf das Terrain der Juristerei und Fußnotenpolitik zerren zu lassen. Die kritische Diskussion um innere Sicherheit, Drogenverbote und gesellschaftlichen Rassismus würde In diesem Prozess zu einem Nebenkampfplatz. Die aktuellen Verhandlungsangebote sind ein Angriff der Stadt auf diese Politik und die Autonomie der Flora.

Die Flora ist wichtig als Schnittstelle von Kultur, Politik und Widerstand Aber die radikale Unke in Hamburg braucht zum überleben sicherlich nicht notwendigerweise die Flora. Für Politgruppen und kulturelle Initiativen gibt es auch andere Ausweichorte Als radikale Linke in der brd benötigen wir aber Anknüpfungspunkte für politische Interventionsfelder. Wenn ein Projekt derzeit die Hegemonie der inneren Sicherheit durchbrechen kann, dann ist es Im Moment wohl die Flora. Sie ist eine Besonderheit unter den derzeitigen autonomen Zentren in der brd. Die Voraussetzungen, sie zu verteidigen sind besser als bei jedem anderen Projekt, denn sie wirkt nicht nur innerhalb des Gebäudes, sondern besitzt eine Ausstrahlungskraft, die auch außerhalb des Gebäudes in die umgrenzenden Stadtteile wirkt. Sie Ist ein politischer Faktor. Insofern geht es auch nicht nur um begrenzte Räume Innerhalb des Gebäudes, sondern um Räume die dem öffentlichen zugerechnet werden und deren Bedeutung Über die mauern des Gebäudes hinausreichen. Die Flora hat einen Subtext, der als Bedrohungsszenario für die Schutterpiazza und die Messeerweiterung wirkt. Dies ist kein Zufall, sondern hat mit der Geschichte und politischen Praxis der Ruine In den letzten 10 Jahren zu tun, mit der Propaganda und der betriebenen Stadt(teil)politik.

  “Unser Dorf soll schöner werden…” So1l es aber nicht!

Huch wenn die Flora zum Teil die Aufwertung des Viertels mitbewirkt hat, ist der besetzte Kasten bei Fortführung der bisherigen Politik im besten Sinne unvertträglich.

Die autonome Bewegung war im Schanzenvlertel Immer schon Teil dessen, was die Unifraktion Gentrification nennt. Die Rote Flora, als Teil dieser Bewegung, stellt da zunächst mal keine Ausnahme da, auch wenn, bzw. gerade weil durch die Besetzung des Gebäudes das Phantom der Oper, also ein Groß-Kommerz-Betrieb verhindert wurde. ( ein Musical für Vorortdeppen und Reisebustouris ist nun wirklich Rein Merkmal für die schleichende Aufwertuag eines freakigen Avantgardeviertels) Durch coole, hippe Parties und allgemein durch die Anziehungshraft auf verhältnismäßig kaufkräftige “Alternative” hatte die Flora ihre Rolle in der Aufwertungsspirale. Doch die Rolle der Flora im Aufwertungsprozeß hat sich verändert. Zum einen durch die Positionierung 1997 in der Drogenverbotsproblematik und dem damit einhergehenden Verzicht auf Symphatle und Verständnis der BnwohnerInnen und zum anderen durch das einfache und durchaus reflektierte festhalten an der alten Parole KIEN WEG MIT DER SPEG. Der STEG ist es nämlich im Laufe der Jahre gelungen von einer “Pufferzone” zwischen der Stadtentwicklungsbehörde (STEB, böse) und den ViertelbewohnerInnen (gut, revolutionär) zu einem Verein von QuartiersmanagerInnen zu mutieren, die vorgibt, alle Interessen im Viertel an einen Tisch (rund) zu holen. Über den Lockvogel der Partizipation ist es der STEG gelungen, einen (scheinbaren) Konsens zwischen Gewerbetreibenden, Anwohnerlnnen und Lokalpolitik zu inszenieren.

Hatte die Flora anfänglich die Aufwertung des Viertels zum Teil mitbewirht, so liegt in der zweiten Stufe des Gentrificationprozeßes für die Flora eine Handlungsoption gegen die staatlichen Kontroll- und Steuerungsversuche im aufgewerteten Viertel, die seit 1997 von der Flora auch nach außen getragen wird. Die Weigerung, sich von dem Idyll des multikulturellen miteinander vereinnahmen zu lassen, sowie die öffentliche Positionierung und Intervention gegen Ausgrenzung und Vertreibung der Drogenszene sind ernstzunehmender Sand im Getriebe (sonst stände Hornauer ja Jetzt nicht auf der Blatte, gell). Eine Flora mit Verträgen Könnte möglicherweise an die Aufwertung des Viertels wieder anknüpfen und den Sound für die Yuppies liefern die sich im Moment nicht in den Laden trauen.

Jedes Eingehen von Seiten der Flora auf Verhandlungen um Verträge und damit um Befriedung stärkt den STEG-Diskurs des “Wir können über alles reden – und alles wird gut und multi-kulti” und zwar unabhängig davon, ob tatsächlich Verträge abgeschlossen werden oder nicht.. Die Flora sollte sich deshalb weiterhin jeglichen Partizipatlonsangeboten verweigern und offensiv und öffentlich zu einem gemeinsam bestimmten Zeitpunkt Verträge ablehnen.

  Den Aufwertungs- und Quartiersmanagerlnnen in den Partizipationsdiskurs spucken.

“Flora verhandelt” ist in jedem Falle ein Signal, das suggeriert, wir würden dem Runde-Tische-Mist irgendetwas abgewinnen.

Partiziptlonsgreminen sind eine besondere Form von Herrschaftstechnlk, nichts neues (teile und herrsche) an sich, neu aber in ihrer konkreten Gestalt. Die Frage, wie vorhandener Protest und Widerstand abgeschwächt oder am besten gar nicht erst entstehen kann, hat als eine der Antworten zahlreiche runde Tische ins Leben gerufen. Scheinbar und/oder tatsächlich werden dort die Belange der Betroffenen bei der Suche nach einer Lösung berücksichtigt. Es geht darum, Widerstand in Diskussion zu verwandeln, denn solange geredet wird, bleibt wenig Zeit für anderes.

Partizipationsgremien haben sowohl eine Tendenz zur Integration, wie auch zum Ausschluß. Sie tun, als ob es keine Konflikte gäbe, sondern eigentlich alle das gleiche wollen, dies nur noch nicht erkannt haben. Das Ergebnis wird als eine Art Konsens dargestellt, da schließlich auch die ehemnligen KritikerInnen an der Entscheidungsfindung mitgewirkt haben. Insofern haben diese Gremien auch einen starken legitimatorischen Charakter. Die, die für nicht konsenzfähig oder schlicht als nicht parztizipatlonsberechtigt erachtet werden, werden gar nicht erst geladen. Sie werden ausgegrenzt und dürfen das “Fröhliche demokratische Regulationsspiel” nicht mitspielen. Sie sind nicht Integrierbar, Dreck.

Vertragsverhandlungen signalisieren der Öffentlichheit, daß, die Notwendigkeit besteht, den Status der Roten Flora vertraglich zu regeln. Sie benennen ein angebliches Problem und schreiben es fest.

Diese Wirkung (Rote Flora führt Verhandlungen)setzt auch ein, wenn sich Leute intern eine ganz andere “Strategie” zurechtgelegt haben. “Verhandlungen” sehen erst mal vom konkreten Inhalt ab. Die Rote Flora und ihr Umfeld hat immerhin soviel Gewicht, daß, seitens der Stadt durchaus die Bereitschaft besteht, Zugeständnisse zu machen. Über die einzelnen Punkte kann man reden, heißt es, wichtig sei, Überhaupt miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Inhalte, für die die Rote Flora steht, sind aber nicht verhandelbar, beispielsweise ll5t sich eine gemeinsame Position zur Drogenszene nicht finden. Deshalb müssen die gegensätzlichen Positionen deutlich gemacht werden und sich in einer Form auseinandergesetzt werden, wie das die Rote Flora in der Vergangenheit eher schlecht als gut geschafft hat. Ein Impuls in diese Richtung wäre die gut begründete Ablehnung von Verhandlungen.

  Euer Kuchen schmeckt uns Scheiße.

Die Flora als besetztes Gebäude stellt eine symbolische und praktische Infragestellung der Eigentumsverhältnisse dar!

Die Flora als besetztes Gebäude stellt einer Infragestellung herrschender Vorsteihingen über Besitz dar. Dieser Punkt ist sicherlich nicht der entscheidendste in der Vertragsdiskussion, sollte aber auch nicht vernachlässigt werden, gerade angesichts der Tatsache, daß sich ja allgemein mit der. Hiesigen Besitzverhättnissen z. U. an Gebäuden sehr weit abgefunden, bzw. arrangiert worden ist.

Ein besetztes Gebäude ist sowohl eine symbolische, als auch praktische intervention gegen Eigentumsverhältnisse. Allerdings wird dieser Punkt von der Flora heraus nicht politisch besetzt. Persönlich haben sich die meisten von uns auf die eine oder andere Art in diesen Verhältnissen ein-gerichtet, so dass dieser Respekt keinerlei Einfluß, auf die Politik der Flora hat. Die Flora ist deswegen sicherlich auch kein kapitalismusfreier Raum. Wir arbeiten auch mit Geld, der Getränkelieferant wird bezahlt.. Anderen kapitalismuseigenen Zwangsabgnben wie Steuern… können wir uns allerdings auch verweigern. Ein Angriff auf den Kapitalismus ist dieses sicherlich nicht, aber ein kleiner alltäglicher rar des Widerstandes in einer Zeit, wo dieser recht rar geworden ist.

  Kein Gott, kein Staat, kein Mietvertrag
  Die Sache mit der Schere im Kopf

Dieser sicherlich höchst pädagogische Begriff: “Die Schere im Kopf” ist ein entscheidendes Argument, sich gegen Vertragsverhandlungen auszusprechen. Durch den Status eines besetzten, in diesem Sinne unverantwortlichen Zentrums ist es momentan und in der Geschichte der Flora möglich gewesen, sich von gesellschaftlich normatiuen Vorgaben, von legaUstischen Abwägungen zumindest ein wenig zu lösen. Die Flora ist natürlich kein rechtsfreier Raum, aber ein Raum eweiterter Handlungsoption, da es keine Verantwortlichen gibt. Dieses Argument wirkt in beide Richtungen. Zum einen gibt es keineN der/die offiziell Verantwortung übernehmen muß, zum zweiten nimmt einem/R im Laden selber auch keineR die Verantwortung ab. Sei Plakatwänden, Veranstaltungen, Positionen zur Drogenpolitlk mut! weniger die Außenwirkung mitbedacht werden, als in einem vertraglich abgesicherten Laden mit festgelegten Zielvorgaben. Sicherlich ist es auch möglich, mit Verträgen weiterhin eigene Positionen zu vertreten, der Druck allerdings nimmt zu.

Verantwortung übernehmen muß, zum zweiten nimmt einem/R im Laden selber auch keineR die Verantwortung ab. Sei Plakatwänden, Veranstaltungen, Positionen zur Drogenpolitik mut! weniger die Außenwirkung mitbedacht werden, als in einem vertraglich abgesicherten Laden mit festgelegten Zielvorgaben. Sicherlich ist es auch möglich, mit Verträgen weiterhin eigene Positionen zu vertreten, der Druck allerdings nimmt zu.

  Neue Kämpfe suchen !

Das festhalten an den Bestehenden Verhältnlssen schreibt die Schwäche der Unken weiter fort, anstatt eine Perspektive für Ihre Überwlndung zu liefern.

Manchmal wird gesagt, daß, In Zeiten, wie diesen, wo “die Linke” so schwach ist, Im Zentrum unserer politischen Praxis stehen muff, die in besseren Zelten erkämpften Räume zu verteidigen. Wir meinen dagegen:

Gerade in schlechten Zeiten wie diesen müssen die einstmals erkämpften Räume als Einsatz in Kämpfen riskiert werden, um eine politische Wirkungskraft wiederzuerlangen.

Die Schwäche von linksradikalen Politlkansätzen hängt zu einem nicht unbedeutenden Teil damit zusammen, dafür möglichem Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse immer weniger in erster Linie mit Repression begegnet wird, sondern immer mehr mit Versuchen widerständlschen Bewegungen oder Projekten den revolutionären Stachel zu ziehen, um sie dann zu domestizieren und als “alternatives” Kolorit in die herrschenden Verhältnisse zu integrieren. Der Vorteil ist dabei zum einen, daß der ehemalige Widerstand durch seine Domestizierung und Integration am Ende sogar zur Stabilität genau der Verhältnisse beiträgt, gegen die er einst angetreten ist. Zum anderen werden durch die Integration von Widerstand gerade die Art von Kämpfen vermieden, die meistens eine Polarisierung und Radikalisierung und damit auch eine Stärkung linksradikaler Politik bewirken.

fine Flora mit Verträgen wäre genau solch eine Form der Integration eines wlderständischen Projekts und würde damit die Schwäche linksradikaler Politik welter festschreiben. Statt sich ganz langsam Immer weiter abdrängen und Integrieren zu lassen, indem wir hauptsächlich darauf bedacht sind, das einmal Erkämpfte zu verteidigen, müssen wir neue impfe suchen, und darin politisch wirken. Auch wenn “nur” verhandelt würde wäre dies ein Ausweichen vor der direkten Konfrontation und ein öffentliches Eingeständnis, daß ein besetztes Zentrum heutzutage eben einfach nicht mehr gefordert werden kann. Statt die Idee der Roten Flora als autonomes, nicht-legales Zentrum durch eine vertragliche Lösung oder Vertragsverhandlungen auszuhöhlen oder sogar aufzugeben, um das Gebäude Rote Flora für uns zu erhalten, sollten wir diese Idee offensiv und öffentlich stark machen und dafür kämpfen – und gekämpft wird eben nie ohne etwas auf s Spiel zu setzten: In diesem Fall ist der Einsatz das Gebäude – und der Preis möglicherweise die Räumung.

  No Risk – No Fun!
  Widerstand ist nicht zwecklos

Die Flora ist uns ans Herz gewachsen und Bestandteil unseres Alltags geworden. Wir würden sie nicht einfach so riskieren, aber es geht um mehr als das Gebäude, um die politische Idee, die hinter ihr steckt und diese lohnt es, zu verteidigen. Unsere Position strebt nicht danach, die Ruine aufzugeben, sondern im Gegenteil eine ganze Menge zu riskieren, um sie als das zu erhalten, was sie ist. Ein politischer Ankerpunkt in ganz schön miesen Zelten. Wir finden es Ist richtig um diese Funktion zu kämpfen.

Für die Realität und die Illusion und den Rest und noch mehr.

Wenn wir uns erstmal einig sind, weht, glaub ich ‘n ganz andrer Wind:..

Letzte Parole vor Flugblattende

Gruppe Hobby 98 12/00

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Sieg oder untergang – größtmöglicher Erfolg oder eine akzeptable Alternative?!

  Sieg oder untergang – größtmöglicher Erfolg oder eine akzeptable Alternative?!


Wir haben uns die Situation, vor der wir stehen, nicht ausgesucht. Unserer Einschätzung nach können wir jedoch einer Entscheidung nicht länger ausweichen. So wenig wir es auch in der Hand haben, muß das Anliegen sei», in dem Konflikt, der auf die Flora zukommt, das Terrain der Auseinandersetzung möglichst zu verschieben: Weg von einem Haus ja oder nein, hin zu inhaltlichen Fragen. Insofern ist die Frage nach dem Umgang auch eine strategische.

Der folgende Text ist ein Plädoyer dafür, Verhandlungen mit der Stadt aufzunehmen und entwirft ein Szenario für die konkrete Umsetzung.

Ausgangsbasis für Verhandlungen sollte die Haltung sein, daß von unserer Seite aus kein eigenes Interesse an Verträgen besteht, sondern im Gegenteil eine erhebliche Bereitschaft vorhanden ist, jegliche Verhandlungen zu verweigern und die Auseinandersetzungen um den Status der Flora auf anderen Wegen einzugehen. Daher können wir die Verhandlungen jederzeit platzen lassen. Dies sollte auch klar vermittelt werden. Im Rahmen von Verhandlungen läßt sich allerdings erfolgreiche und gut vermittelte Öffentlichkeitsarbeit betreiben, indem wir an den einzelnen Punkten aufzeigen, was für uns aus welchen Gründen nicht akzeptabel ist bzw. wofür Flora inhaltlich steht.

Ziel linker Politik muß es immer wieder sein, thematische Felder zu besetzen und mit eigenen Inhalten zu füllen. Dafür bieten Vertragsverhandlungen eine Vorlage, die wir für uns nutzen können.

Unserer Vorstellung nach soll es in Verhandlungen nicht in erster Linie um die vertragliche Sicherung des Hauses gehen, sondern vielmehr um erneute und verstärkte Darstellung eigener Positionen. Auf inhaltlichem Gebiet sind wir eigentlich unschlagbar. Das heißt zwar nicht, daß wir irgend jemanden überzeugen können – offensichtlich – das heißt aber, daß wir alles daran setzen sollten, den Fokus der Auseinandersetzung auf unsere inhaltlichen Schwerpunkte zu lenken. Ein Beispiel: Am Vertragsentwurf der Stadt ist das Ziel der gesamten Strategie der Stadt deutlich ablesbar, wenn mensch sich etwa das Thema Drogenverbotspolitik herausgreift. Hier wäre es in den Verhandlungen zentrale Aufgabe, die Weigerung, solche Klauseln (hier: $10.2: Beeinträchtigungen des Grundstücks) zu unterschreiben, in den Kontext der Florapolitik zu stellen. Wenn es gelingt, in unserer Öffentlichkeitsarbeit nicht die pure Existenzsicherung des Hauses in den Mittelpunkt zu stellen, sondern die inhaltlichen Ansätze zu betonen, für die die Flora und die mit ihr verbundene Bewegung steht, lassen sich damit deutliche politische Signale setzen.

Das setzt allerdings voraus, daß die definierten Eckpunkte unstrittig sind und wir mit der klaren Perspektive in die Verhandlungen gehen, daß wir uns an diesen Punkten auf keine Kompromisse einlassen und insofern eine Räumung bzw. eine auf der Straße ausgetragene Auseinandersetzung um die Flora in Kauf genommen wird.

Als Eckpunkte schlagen wir vor:

  • Klar muß sein, daß das Grundstück um das Haus herum in unserer Hand bleibt und wir keine Einschränkungen in der Nutzung, die wir gegenüber der Stadt rechtfertigen müssen, eingehen werden – hier ist die Begründung einfach und ermöglicht die Benennung der verfehlten Drogenpolitik, der Forderung nach Legalisierung etc.
  • Ebenso klar: Uneingeschränkte künstlerische und politische Entfaltung auf der Fassade des Gebäudes – Begründung: Flora ist ein politisches Zentrum und behält sich die Möglichkeit des Eingreifens in Prozesse im Stadtteil vor.

Weitere Eckpunkte müßten in der weiteren Auseinandersetzung geklärt werden. An den Punkten, die Konzessionen, Bauunterhaltungspflichten, Verantwortlichkeiten etc. betreffen, sowie zur Frage von Alternativen zur Miete (Übereignung, Pacht, Kauf usw.), ist ebenfalls eine genauere Diskussion sowie anwaltlicher Rat notwendig. Unserer Ansicht nach gibt es an diesen Punkten Spielräume, so daß sie für die hier zu treffende Grundsatzentscheidung nicht relevant sind.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Verhandlungen einzugehen heißt in unseren Augen nicht, damit das Haus zwangsläufig vertraglich unter Dach und Fach zu bringen. Vielmehr sollte im Prozeß der Verhandlungen nach Möglichkeiten der sichtbaren links/radikalen Positionierung in der Stadt gesucht werden.

Wir halten die genannten Eckpunkte für fixiert, d. h. an diesen Punkten müssten die Verhandlungen scheitern, wenn sie nicht durchsetzbar sind – und das muß auch von vornherein klar sein. Andere Punkte können ebenso den Ausschlag für einen Abbruch der Verhandlungen geben.

Aus unserer gespaltenen Einstellung zur Verträglichkeit heraus ist ein Abbruch der Verhandlungen eine sehr reale Möglichkeit. Ein konsequenter Verhandlungsabbruch kann ein starkes politisches Mittel sein, Öffentlichkeit zu schaffen (und politische Inhalte gar durchzusetzen!?). Es gilt, aus der passiven Haltung “…wenn wir erst mal verhandeln, werden wir vom einen zum anderen Mal über den Tisch gezogen…” zu einer konfrontativen Position gegenüber der Stadt zu gelangen.

Wenn es in den Verhandlungen über die reine Existenzsicherung des Hauses hinausgehende Auseinandersetzungen gibt, macht sich das Scheitern nicht mehr an einem Festhalten am Besetztstatus fest, sondern an politischen Inhalten. Während diese weitgehend an eine breitere Öffentlichkeit vermittelbar sein können – und diese dann nicht unbedingt überzeugen, zumindest aber erreichen – sind wir unserer Einschätzung nach mit der Vermittlungsleistung, die in der Begründung des Festhaltens am Status Quo liegt, überfordert. Wir werden schnell so selbstreferentiell.

Eine Politik, die sich im Wesentlichen darum dreht, für die eigene Szene einen Besetzstatus zu erhalten, birgt die Gefahr, sich nur an sich selbst zu richten. Wir gehen das Risiko ein, in der öffentlichen Wahrnehmung auf das Haus und seinen Status reduziert zu werden: unserer Einschätzung nach ist das Thema Häuserkampf aktuell nicht mehr zu besetzen. Wir sehen die Gefahr, daß der Kampf um selbstverwaltete Räume als privates Vergnügen einer kleinen Gruppe rezipiert wird, während die für uns damit verbundenen Themen (Vertreibungsszenarien, Drogenverbotspolitik, Innere Sicherheit, öffentlicher Raum, Umstrukturierung usw.) in den Hintergrund rücken und es uns möglicherweise nicht gelingen wird, dies zu vermeiden. Um die Einhaltung der Eckpunkte zu gewährleisten, braucht eine Verhandlungsgruppe ein entschlossenes Korrektiv, d. h. “alle” haben die Verantwortung, ein Einknicken zu verhindern. Dies ist der Punkt, an dem wir ausgesprochen skeptisch sind: strategisch halten wir den Verhandlungsansatz für richtig; in der Umsetzbarkeit, insbesondere an der Frage, ab “die Szene” solche Eckpunkte-Verhandlungen tragen, begleiten und beeinflussen wird, haben wir Zweifel. Wir sind davon überzeugt, daß sich eine stabile Verhandlungsgruppe nur konstitutieren kann, wenn es ein gemeinsames Durchsetzen der Florapolitik über die “Grenzen” der verschiedenen “Fraktionen” hinweg gibt.

Ein konkretes Szenario zur Umsetzung, soweit sich dies an dieser Stelle schon entwerfen läßt, könnte so aussehen:

  • Zunächst steht eine Festlegung der Eckpunkte an, soweit sie über die oben bereits genannten hinausgehen.
  • Bildung einer Verhandlungsgruppe, die immer wieder genaue Vorgaben durch Plenum/ VV bekommt.

  • In einem nächsten Schritt sollte Kontakt zu einer/ einem Anwältin aufgenommen werden, die/ der mit Vereins- und Vertragsrecht vertraut ist. Mit dieser/ diesem wäre ein Vertrag zu überlegen, der unseren Vorstellungen gerecht wird, d. h. keine Spezialklauseln enthält und die Vorstandshaftung begrenzt (etwa indem festgelegt wird, daß das Gebäude anderen Nutzerlnnen zur Verfügung gestellt werden kann oder zumindest keinen Ausschluß einer solchen Nutzung vorsieht) Mit diesem Vertragsentwurf in der Hinterhand steht Öffentlichkeitsarbeit an. Der Vertrag könnte als unser Gegenvorschlag an den Bezirk gehen (das kann aber auch zu einem späteren Zeitpunkt geschehen, je nach Einschätzung und Zeitbedarf), wenn zeitgleich eine Pressekonferenz stattfindet, in der deutlich wird, für welchen politischen Ansatz Flora steht, warum von unserer Seite aus kein eigenes Interesse an einer vertraglichen Lösung besteht und wie an dem Entwurf des Bezirkes die Absicht deutlich wird, die Flora als politisches Projekt, das zu zentralen Fragen (hier dann Drogenpolitik, innere Sicherheit, öffentlicher Raum usw.) Stellung bezieht, auszubremsen und zu integrieren, also all die Argumente, die in den bisherigen Diskussionen bereits gegen Verträge ausformuliert wurden. Daß wir aber bereit sind, uns auf eine vertragliche Lösung einzulassen, wenn es denn unbedingt sein muß, daß es aber deutliche Grenzen gibt, die sich an den Eckpunkten festmachen.

Öffentlichkeitsarbeit bleibt auf allen Ebenen wichtig. Dafür wird eine Arbeitsgruppe benötigt, die kontinuierlich arbeitet und auch ansprechbar ist. Presse reicht aber natürlich nicht aus. Statt dessen ist Kreativität gefragt, die nicht nur für den Erhalt der Flora wirkt, sondern in erster Linie die inkriminierten Themenfelder aufgreift.

Gespräche mit der Stadt müssen sorgfältig vorbereitet und von vielen getragen werden. Bleibt eine Verhandlungsgruppe damit allein, ist die Zermürbung absehbar und das Risiko von Fehleinschätzungen genauso groß wie das des Einknickens. Jedes Gespräch muß nicht nur sofort nachbereitet, sondern auch umgehend öffentlich gemacht werden. Regelmäßig muß die Frage im Raum stehen, ob gerade der Punkt für den Verhandlungsabbruch erreicht ist.

  Risiken und mögliche Nebenwirkungen:

Wir verlieren das Haus, ohne ein Zeichen setzen zu können. Die Verhandlungen gleiten uns aus den Händen, so daß die Stadt durchdrücken kann, was sie will, ohne daß wir auch nur die Möglichkeit haben, eigene Akzente zu setzen.

Der “radikale Wille” reicht nicht aus, um den Absprung zu finden, die Verhandlungen platzen zu lassen. Wir knicken ein und unterzeichnen einen Knebelvertrag. Flora goes staatlich gefördertes Jugendprojekt. Unsere Eckpunkte sind nicht durchsetzbar und die Verhandlungen platzen, bevor sie beginnen.

Eine öffentliche, politische Auseinandersetzung um die Position der Flora könnte stattfinden, in der wir nicht offensiv handeln und keine Akzente setzen.

Die Verhandlungsgruppe zerstreitet sich untereinander bzw. agiert selbstherrlich ohne Rückhalt im Haus. Die Szene trägt die Verhandlungen irgendwann nicht mehr mit und den Verhand1ungen fehlt das Korrektiv.

Es gelingt nicht, eine Verhandlungspuppe zu bilden/ finden (weil wir zu wenig, zu uneinig etc. sind). Es läßt sich keineR finden, die/ der ihren/ seinen Namen unter einen Vertrag setzen kann, weil die Gewißheit fehlt, eventuelle Folgen von Repression auf viele Schultern verteilen zu können.

  Als Schlußwort:

Auch auf die Gefahr zu wiederholen: Eine eventuelle Entscheidung für Verhandlungen heißt zwar, die Option eines Vertragsabschlusses im Kopf zu haben. Jedoch lieg der Schwerpunkt unserer Argumentation zur Zeit in den Möglichkeiten der politischen Auseinandersetzung. Aus einer Verhandlungsposition läßt sich nach Außen hin besser vermitteln. In weiteren Diskussionen gewinnt möglicherweise die Struktur des Hauses an Substanz, aus der gegebenenfalls politische Stärke erwächst – oder eben nicht.

Sollte aus so geführten Verhandlungen unwahrscheinlicherweise ein Vertrag erwachsen, der unterschreibbar ist: Wir würden z.Zt. dafür plädieren, in diesem Fall den Verlust des symbolischen Ortes zugunsten des Erhalts der Infrastruktur in Kauf zu nehmen.

Es muß allerdings klar sein, daß ein Vertragsabschluß eine Niederlage darstellt. Nichts wird so bleiben, wie es war, auch wenn die Spielräume sicherlich größer sind, als es in den vergangenen Diskussionen häufig im Raum stand.

Kleines Komitee für Statusfragen


Ein Radiobericht über den Polizeiüberfall auf die Schwarzwaldstrasse 79 in Karlsruhe

  Ein Radiobericht über den Polizeiüberfall auf die Schwarzwaldstrasse 79 in Karlsruhe


Letzten Samstag wurde ein Teil der Schwarzwaldstrasse 79 in Karlsruhe zerstört. Die Zerstörte HFG (Hochschule für Gestaltung) sollte als mö gliches Erweiterungs- /Ersatzobjekt für die ExSteffi dienen.

Hier der Link bei radio4all:

http://www.radio4all.net/proginfo.php?id=2401

Guck auch mal auf der Homepage der Ex-Steffi:

http://www.exsteffi.de

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Zerstörtes Haus durch Polizeieinsatz

  Zerstörtes Haus durch Polizeieinsatz


Presseerklärung 18.12.2000

Am Samstag, den 16.12.2000 um ca. 8:30 Uhr, überfielen mindestens zwei Hundertschaften der Polizei einschließlich vermummter Sondereinsatzkommandos im Auftrag der Stadt Karlsruhe den leerstehenden Teil des Hauses Schwarzwakdstraße 79 (Ex-Steffi) im Bereich HBF Süd. Unter dem Vorwand, eine mögliche Besetzung wie damals in der Stephanienstr.60-64 verhindern zu wollen, stürmten die Einsatzkräfte um ca. 9:15 Uhr das Haus. Anschließend wurde dieser Teil des Hauses vier Stunden lang systemastisch zerstört. Unter Gelächter der Beamten wurden alle Fenster herausgeschlagen, sanitäre Einrichtungen, Türen und Treppen kapputt gemacht, usw.. Ein völlig intaktes Haus wurde unbewohnbar gemacht!!!

  Doch was steckt dahinter?

Die Schwarzwaldstraße 79 ist das Ersatzobjekt für die “Steffi”, das damals besetzte Haus in der Stephanienstraße, welches im September 1997 unfreiwillig verlassen wurde. Ein mitentscheidender Grund für unseren Umzug in die Schwarzwaldstraße war, daß uns zugesichert wurde, daß wir auf absehbare Zeit die Räume, die von der Hochschule für Gestaltung (HFG) gemietet wurden, als Wohnraum zusätzlich bekommen würden. Doch nichts passierte, die Räumlichkeiten wurden drei Jahre lang kaum genutzt und folgerichtig zog die HFG jetzt Ende November aus diesen Räumen aus. Unserem berechtigten Interesse, unser autonomes Kultur- und Wohnprojekt auf die Räume der HFG zu erweitern, hat die Stadt durch die Zerstörung dieses Teils des Hauses, auf unglaubliche Art und Weise einen Riegel vorgeschoben. Und das, obwohl uns sogar vertraglich eine Nutzung bei freiwerden der Räume zusteht. Mit dieser Aktion, die unter Protest von Anwohner- und PassantInnen stattfand, hat die Stadt ihr wares Gesicht gezeigt. Ohne die Rücksicht auf die hier lebenden KünstlerInnen und BewohnerInnen der Ex-Steffi, zerstörten sie einen Teil des hier genannten Wohnareals. Obwohl sie die Räume offensichtlich nicht benötigt, unternimmt sie keinerlei Schritte mit uns über eine Nutzung der Räume zu verhandeln. Zu einem Zeitpunk, wo noch überhaupt nicht klar ist, ob es jemals einen Investor für das Gelände “HBF Süd” geben wird, überläßt sie einen Teil unseres Hauses mutwillig dem Zerfall. Jede und jeder die gesehen hat was hier passiert ist, packt die Wut angesichts dieser niederträchtigen Ereignisse.

  Wir fordern:
  • die sofortige Instandsetzung des HFG-Flügels durch die Stadt Karlsruhe !

  • die sofortige Überlassung an die BewohnerInnen der Schwarzwaldstr.79 !

  • den Erhalt aller Häuser im Bereich HBF Süd !

  • Protestieren Sie bei der Stadt Karlsruhe unter Tel.: 0721 / 133-1015 !!!


BewohnerInnen der
Schwarzwaldstraße 79
76137 Karlsruhe
Tel/Fax : 0721 / 937723-5 /-6

Web: http://www.exsteffi.de

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Demonstration “Die Stadt sind wir alle” am 20. Dezember in Berlin

  Demonstration “Die Stadt sind wir alle” am 20. Dezember in Berlin


Ankündigung zur Demonstration unter dem Motto “Für Tolerierung alternativer Lebensformen – Gegen Umstrukturierung und Vertreibung”

  • Mi 20. 12. 2000, 11:55 h – Kundebung am Roten Rathaus. Mit Katerfrühstück und TammTamm – U- und S-Bahn Alexamderplatz. Kommt vielfältig und beteiligt euch bunt! Es geht um uns alle… es geht uns um alle!

  • Fr 22. 12. 2000 – Weihnachtliche Innenstadtaktion / Watch out for Flyers – Info-Hotline: 0179-6105647

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Polizeiüberfall auf das Wohnprojekt Schwarzwaldstr. 79 – Karlsruhe, D –

  Polizeiüberfall auf das Wohnprojekt Schwarzwaldstr. 79 – Karlsruhe, D –


Am Samstagmorgen 8:00 Uhr überfielen mindestens 2 Hundertschaften einschließlich Sondereinsatzkommando einen Teil unseres Hauses. Mit schwerem Räumgerät und freundlicher Unterstützung der Feuerwehr und der Stadtwerke, stürmten und verwüsteten diese einen Teilbereich unseres Hauses. Nach ca. 4 Stunden war endlich alles von den höchstmotivierten Einsatzkräften komplett zerstört und unbewohnbar gemacht, ein bestes Beispiel für Polizeistaatsmethoden und Staaatsterrorismus!

Jeder Mensch kann sich selbst davon überzeugen!!!

  Und was ist der Anlaß?

Wie wohl bekannt sein dürfte zogen die Steffi-BewohnerInnen am 01.10.97 in die Schwarzwaldstr.79, nachdem die Stadt Karlsruhe uns dies als Mietobjekt zur Verfügung stellte und gleichzeitig mit einer großangelegten Räumung der Stephanienstraße 60-64 drohte. Obwohl nur die Hälfte von uns in diesen zu kleinen Räumlichkeiten in der Schwarzwaldstr.79 unterkam, gleichzeitig der HFG-Flügel aber ungenutzt im selben Haus existierte, ließen wir uns trotzdem darauf ein und organisieren seit dem weiterhin unser Sozial- und Kulturprojekt.

In unserem Mietvertrag mit der Stadt steht übrigens:

“Bei Freiwerden des derzeit noch von der Staatlichen Hochschule für Gestaltung genutzten Gebäudeteils in der Schwarzwaldstr. 79 nimmt die Stadt wegen einer Überlassung zuerst mit dem Nutzer entsprechende Verhandlungen auf.” (§1, Absatz 4)

Seit 3 Jahren wurde registriert, daß sich in den Räumlichkeiten der HFG nichts tut und diese hat uns sogar über Ihren Auszug aufgrund mangelnder Nutzung Ende November 2000 unterichtet. Bevor wir mit der Stadt in Verhandlungen treten konnten, um den Wohnraum sinnvoll zu nutzen, veranlaßte diese stattdessen einen Polizeiüberfall. Obwohl Verhandlungen über ein neues Ersatzprojekt schon am Laufen waren, da ja angeblich alle Künstlerateliers inklusive unser Haus zum Abriß freigegeben werden sollen, wurde mit Steuergeldern ein Teil unseres Wohnhauses systematisch zerstört; Fenster wurden gerade jetzt im Winter alle Fenster ausgebaut oder eingeschlagen ebenso Sanitär- und Heizanlagen.

Nach vielen Gesprächen liegt auf der Hand, daß es keinen Investor für das Gelände Hauptbahnhof Süd gibt und somit keinen Grund die Ateliers der Künstler und unser Haus abzureißen. Dieser Polizeiüberfall hat so nun den einzigen Sinn unser Haus unbewohnbar zu machen, daß dann Ende des Winters die Bausubstanz in Frage gestellt werden kann und somit doch noch ein Abriß möglich erscheint.

Dieses Verhalten der Stadt zeigt eindeutig, daß Sie unser Sozial- und Kulturprojekt systematisch zerstören will. Machtdemonstrationen wie dieser lächerliche, völlig unbegründete Polizeieinsatz sollen uns einschüchtern??? So wird hier Sozial- und Kulturarbeit honoriert!

ORGANISIERT DEN AUFSTAND DER ANSTÄNDIGEN !!!

STEHT STÄNDIG AUF !!!

EX-Steffi
Autonomes Wohn-/Kulturzentrum
Schwarzwaldstraße 79
76137 Karlsruhe
Tel/Fax : 0721 / 937723-5 /-6
E-Mail : steffi [at] ilk [dot] de>

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Eimer-Räumung ausgesetzt !

  Eimer-Räumung ausgesetzt !


Heute (Freitag, 15. Dezember 2000) 14.00Uhr fand ein Vermittlungsgespräch zwischen WBM und Senat für Bau und Stadtentwicklung -vertreten durch Herrn Ralph Hirsch- statt. Darauf hin zeigte sich die WBM verhandlungsbereit und setzte die Räumung für Montag aus.

Weitere Verhandlungsgespräche sind für mitte nächster Woche angesetzt. Wir bedanken uns bei allen Freunden und Freundinnen , die uns in den letzten Tagen zur Seite standen !!!!!!! Wir werden Euch über den weiteren Verlauf der Dinge informieren.

Für alle , die diese Meldung zu spät erhalten , wird der Eimer am Montag-Morgen (ab 7.oo Uhr) geöffnet haben und `ne Tasse Kaffee bereithalten.

P.S. werdet MItglied im Verein “Rettet den Eimer” (Infos unter http://www.interfluggalaktika.deoder direkt im Eimer)

Ateliergemeinschaft I.M.Eimer


Alternative Lebensformen – Plätzchen besetzen

  Alternative Lebensformen – Plätzchen besetzen


Langweilig? Wie wär’s mit einem Spiel? Es heißt »Plätzchen besetzen« und geht so: Zunächst bilden sich zwei Mannschaften – Polizisten und Wagenburgler. Damit sie sich erkennen, tragen sie Uniformen – die einen grüne, die anderen bunte. Die Wagenburgler nehmen alte Bauwagen und fahren mit ihnen durch die Stadt auf der Suche nach einer Freifläche – ihrem Plätzchen. Dort stellen sie die Wagen ab, machen ein Lagerfeuer und warten, bis ihre Kontrahenten kommen.

Ein sonniger Samstagnachmittag im Dezember eignet sich ganz gut für eine Partie. Ort des Geschehens: der Kollwitzplatz, das touristische Zentrum von Prenzlauer Berg. Drei Wagen rollen auf das Grundstück Belforter Straße / Ecke Kollwitzstraße. Transparente verkünden: »Laster- und Hängerburg bleibt.« Jemand schichtet Holz auf, zündet es an und setzt sich auf eine der Matratzen, die um die Feuerstelle im Sand liegen.

Immer mehr Wagenburgler und Freunde der Mannschaft kommen auf das Gelände und eine von ihnen, Elektra, erklärt das Ziel des Spieles. »Es darf nur keine Verhaftungen geben.« Und schon sind auch die Polizisten da. »Sie kennen das Spiel«, sagt der Einsatzleiter zu einem Wagenburgler, der Winfried heißt. Selbstverständlich kennt er es: »Wir machen jetzt erstmal was zu essen, und Sie werden wohl Ihre Einsatzkräfte weiter zusammenziehen.« Der Polizist nickt, seine Kollegin macht sich Notizen. Beide Mannschaften sind einander vertraut, sie kennen die Regeln; bevor es richtig losgeht, muss die Aufstellung stimmen.

»Sie wissen, dass jemandem das Grundstück gehört. Wenn jemand einen Strafantrag stellt, ist das Hausfriedensbruch.« »Das wissen wir«, sagt Winfried. Er kennt ja die Spielregeln. Die Polizisten fordern über Funk Verstärkung an, und die Wagenburgler eröffnen ihr Buffet. Sie verteilen sich auf dem Grundstück und werden von den Polizisten vorsorglich eingekreist.

Nachdem sich beide Seiten aufgestellt haben, fehlt nur noch eine Art Schiedsrichter. Ein Wagenburgler ruft den Bezirksbürgermeister Reinhard Kraetzer (SPD) an, um ihm mitzuteilen, dass der Anpfiff unmittelbar bevorsteht. Kraetzer mag dieses Spiel nicht, kennt es aber schon. Denn seit Anfang Dezember – damals wurde die Wagenburg am Filmtheater Friedrichshain aufgelöst, um dort mit dem Bau eines Seniorenheims zu beginnen (Jungle World, 40/00) – gab es bereits zwei Runden. Zunächst wurde ein Teil des Mauerparks besetzt, dann ein Grundstück an der Erich-Weinert-Straße. Die Polizisten kamen bald und zahlreich, räumten das Gelände und stellten die Personalien fest. Die Runden gingen an sie.

Mittlerweile startet der erste Angriff. Die Polizisten machen ihre Ansage: »Sie erfüllen den Tatbestand des Hausfriedensbruchs. Wir fordern Sie auf, das Gelände sofort zu verlassen. Kommen Sie dieser Aufforderung nicht nach, wird eine Räumung mit Zwangsmitteln durchgeführt.« Das sagen sie einmal, zweimal, dreimal. Dann stürmen sie das Gelände. Zwei Wagenburgler werden festgenommen, die anderen durchsucht und zur Identitätskontrolle in die Einsatzwagen gebeten.

Der Sieger steht fest. Winfried will jetzt was trinken. Und aushecken, wann und wo es in die nächste Runde geht.

jan brandt


I. M. Eimer im Eimer

  I. M. Eimer im Eimer


Das allerletzte besetzte Haus der Stadt soll nächste Woche geräumt werden. Wohnungsbaugesellschaft Mitte will den Konzertclub an Investor verkaufen.

Eigentlich ist es eine typische “Eimer”-Geschichte. Bereits am 22. November war dem besetzten Gebäude in der Rosenthaler Straße, in dem vor allem Konzerte stattfinden, ein Brief ins Haus geflattert. Weil sich aber niemand für den Schrieb verantwortlich fühlte, wurde er erst eine Woche später geöffnet: Was folgte, war ein Schreck. Im Namen der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) teilte ein Gerichtsvollzieher mit, dass das seit knapp zehn Jahren besetzte Haus am kommenden Montag geräumt werden soll.

Bislang hatten sowohl Senat, Bezirk als auch die Berliner Hausbesetzer immer einen großen Bogen um den “I. M. Eimer” gemacht. Das entsprach ganz dem Bedürfnis der Nutzer des baufälligen Gebäudes, die am liebsten, ohne großes Aufsehen zu erregen, ihrem Partytreiben nachgingen.

So konnte es geschehen, dass der Eimer immer noch ohne Mietverträge und damit besetzt war, obwohl Berlin nach der Räumungswelle unter dem früheren Innensenator Jörg Schönbohm (CDU) schon längst als besetzerfrei galt.

Doch damit ist nun wohl Schluss. Eine Firma namens Cubus hat es auf den Block zwischen Rosenthaler-, Linien- und Kleiner Rosenthaler Straße abgesehen und bereits ein Investitionsvorrangverfahren in die Wege geleitet. Dem steht noch die Eigentumsübertragung des Gebäudes durch die WBM im Wege. Ein Versuch der Besetzer, mit der WBM ins Gespräch zu kommen, scheiterte. Auch der neue Eigentümer war nicht zu Gesprächen bereit.

Der Leiter des Kulturamts Mitte, Thomas Liljeberg, bedauerte gestern, dass die Verhandlungsversuche gescheitert seien. Der Eimer sei, so Liljeberg, “wichtig für das kulturelle Leben in Mitte”. Liljeberg fürchtet nun, dass mit dem Ende des Eimers und der für Januar befürchteten Schließung des Acud “die Off-Kultur in Mitte scheibchenweise stirbt”.

Die Betreiber des “I. M. Eimer” haben unterdessen für Montag früh um acht Uhr ihre Sympathisanten mobilisiert. In einem offenen Brief heißt es: “Wir bitten alle, die sich nicht mit dem Wegfallen eines der letzten unabhängigen Freiräume in der Off-Kulturszene abfinden wollen, um Unterstützung. Derzeit kümmert sich vor allem die Gruppe “Interfluggalaktika” um den Konzertbetrieb in der Rosenthaler Straße. WERA

taz Berlin lokal Nr. 6322 vom 14.12.2000, Seite 20, 78 Zeilen TAZ-Bericht WERA