Barcelona: Intersquattage zu Ende

  Barcelona: Intersquattage zu Ende


26. Juni 2010

Die europäischen Besetzer_innentage in Barcelona vom 16.-20.Juni standen unter dem Motto Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft der Häuserbesetzung in Europa.
Jornades europees d’Okupatio BCN 2010
Bericht vom europäischen Besetzer_innen treffen in Barcelona

Die europäischen Besetzer_innentage in Barcelona vom 16.-20.Juni standen unter dem Motto Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft der Häuserbesetzung in Europa.
Barcelona hat mit weit über 100 Besetzten Häusern u. Zentren eine aktive Besetzer_innen Szene.
Besetzt sind einzelne Räume, kleinere und grössere Stadthäuser, Villen, Industriegelände, im Fall der “KM” ein beeindruckender burgähnlicher Komplex mit Blick über die gesammte Stadt bis ans Meer. Räumungen sind häufig und der Umgang damit reicht vom verlassen der Häuser vor dem Eintreffen der Polizei bis zu militantem Widerstand. Oft steht als Antwort eine Neubesetzung nach dem Motto “eine Räumung = eine Besetzung”.
Die Stadt ist von aggressiven Gentrifizierungsprozessen betroffen, die gegen oft breiten Widerstand gnadenlos durchgesetzt werden. Schwerpunkt des Treffens waren Austausch, Diskussionen und Vernetzung. Auffällig war die breite Beteiligung aus 10 europäischen Ländern+USA und die beeindruckend gute Vorbereitung durch die Gastgeber_innen.
Themen waren u.a. :
Gesetze und Interaktion mit der Macht
Verhandlung contra Unverträglichkeit (Gefahren, Chancen, Konsequenzen) Besetzung als Werkzeug
Widerstand (Formen, Optionen, Strategien, Konsequenzen)
Lokale Kämpfe
Widerstand gegen Strukturwandelprojekte
Repression
Systeme sozialer Kontrolle
“neue” Methoden der Identifizierung (DNA, Biometrics & co)
Antiknastkämpfe

Ausgesprochen gelungen war die Überwindung der Sprachbarrieren durch Simultanübersetzung aller Beiträge in Englisch, Spanisch und Französisch durch ein Übersetzer_innenkollektiv.
Am Samstag zogen ca. 200 Teilnehmer_innen in einer erfrischend dynamischen und sehr aktiven Demonstration durch einige Stadtteile Barcelonas, die für besonders massive Räumungen und Gentrifierung bekannt sind.
Zu Beginn der Demonstration wurde ein geräumtes und zugemauertes Haus per Vorschlaghammer geöffnet und wiederbesetzt, auf dem Weg durch die Stadt wurden an geräumten Häusern und -Zentren Transparente angebracht, die Anliegen der Demonstration unübersehbar an Wänden hinterlassen, Gentrifizierungsträger, Banken und andere Ziele mit Farbe und entsprechenden Maßnahmen bedacht, Videokameras deinstalliert, auf den Vorplatz des Bezirksrathauses von Gracia ein ca. 10mx10m grosses Besetzer_innenzeichen auf den Vorplatz gemalt und die anrückende Polizei mit Farbe und anderem eingedeckt. Passanten wurden durch mitgeführte Transparente und Flugblätter informiert, was offensichtlich auf reges Interesse stieß.

* * *

Intersquat-Tage und Freiraum-Demo in Barcelona
Barcelona: Fotobericht zum “european squatting meeting
“Jornades Europees d’Okupacio – European Squatting Meeting” – interview
Foto – Barcelona Juni 2010
Foto – Barcelona 19 Juni 2010


Oldenburg: Demonstration für den Wagenplatz

  Oldenburg: Demonstration für den Wagenplatz


Demonstration für den Wagenplatz in Oldenburg

Am Sa. 26.6.2010 demonstrierten in der Oldenburger Innenstadt ca. 200 Leute und 16 WohnLkws, Busse und Träckergespanne für den Erhalt des Wagenplatzes an seinem derzeitigen Standort “am Stau”.

Der Wagenplatz, der sich seit 16 Jahren auf dem Grundstück des ehemaligen Schlachthofgeländes befindet, soll einem grössenwahnsinnigen Projekt weichen.

Auf einer Fläche von 10 ha soll die Vision einer “Wasserstadt” entstehen.

Kalte, grossformatige Architektur, nach dem Geschmack von Investoren und Eigentümern.

Versprochen werden hohe Renditen und ein “modernes, urbanes Quartier”, durchzogen von Grachten, an denen Villen mit privaten Bootsanlegern stehen, gasäumt von zehntausend Quadratmetern Bürofläche und einer Reihe hochpreisiger Restaurants.

Eine Marina und ein “maritimes Kompetenzzentrum” sollen den Charakter des Viertels Prägen, ein 4-Sterne Hotel für Publikumsverkehr sorgen.
Zielgruppe sei, so Oberbürgermeister Gerd Schwandner, die “große, zukünftige Elite Oldenburgs”.

Den Platz räumen sollen dafür u.a. die Oldtimerfreunde, die Containergalerie “Conga” und der Wagenplatz am Stau.

Pläne für die Wassserstadt gibt es seit 2005, der Oldenburger Stadtrat verabschiedete 2008, nach vielfältigem Protest der Wagenleute unter Druck geraten, folgenden Beschluss: “das Wohnen in Bauwagen, LKW und Bussen- wie es auf dem Wagenplatz (…) praktiziert wird- stellt eine akzeptierte Wohnform dar, die dauerhaft auf einem möglichst zentral gelegenen Gelände gesichert werden soll.”

Trotzdem hällt die Stadt an der Vertreibung des Platzes für die Wasserstadt fest, ohne, dass für den derzeitigen Standort konkrete Bebaungspläne vorhanden wären und ohne, dass ein adäquates Ersatzgrundstück gefunden wäre.

Daher stand die Demonstration unter dem Motto “Luftschlössern weichen wir nicht”.

An der Baustelle des zukünftigen “ECE- Centers”, eines riesigen neuen Einkaufscenters mitten in der Stadt, wurde ein Banner “Recht auf Stadt für alle – Wasserstadt versenken! Wagenburg bleibt, wo sie will!” gespannt.

An einem zentralen Platz am Anfang der Fußgängerzone wies ein “Prediger” auf die Widersprüche des Projektes Wasserstadt und den Umgang der Stadt mit dem Wagenplatz hin und übergab der Stadt ein “Ersatzgrundstück” in Form eines Wagenplatzes auf einer 2x3m grossen Holzkiste mit dem Hinweis, die Stadt solle dies nehmen, das Grundstück des Oldenburger Wagenplatzes würden sie ohnehin nicht bekommen.

Solange kein schlüssiges Konzept mit konkreten Projekten für das Grundstück am Stau vorhanden sei, würde man den Platz auf keinen Fall verlassen.

Der Oldenburger Wagenplatz ist fester Beastandteil der Oldenburger Scene, ein Kultur- und Wohneprojekt, dass sich nicht ohne weiteres an einen anderen Ort verpflanzen lässt.

Die Demonstration war Höhepunkt des traditionellen 3 Tägigen Wagenplatzfestes mit Workshops, Konzerten, Flex-Rennen und Parties. Es waren Unterstützerinnen aus rund 15 Orten Deutschlands angereist um ihre Solidarität mit dem Oldenburger Platz zu bekunden.

“Der beste Platz für Wagen ist immernoch der Stau”

Wagenburg in Oldenburg bleibt- wie und wo sie ist!


Hamburg / St-Pauli: the former erotic art museum has been squatted… and evicted a few hours later

  Hamburg / St-Pauli: the former erotic art museum has been squatted… and evicted a few hours later


Original info in german:
http://de.indymedia.org/2010/05/282480.shtml

Take that – this our city, too
29 May 2010

This space is squatted. It is squatted by us, who are excluded from the “growing city” Hamburg (special term for the new oficial development plans of the city of hamburg / BNQ). Squatted by those, who live here and who will not keep quiet.
We are here today, at this place, because the development around the so called “Bernhard-Nocht-Quartier” is an example for a city policy, which furthers the eviction of people who live here.
In this quarter of the city, where affordable housing is scarce, there is a huge area with nearly empty houses. A little bit of social housing will be allowed to remain but the rest will be transformed into over-expensive rental flats and exclusive freehold flats which only an exclusive top-end part of society can afford. We want to stand up against this spiral of exclusion.
This city sucks, with its luxury flats, prestige objects, privatisation, kommercialisation of public space, video camera surveillance and examinations by so called “security-services” and an increased police presence. The city bores us, but still this is our city as well.
We are here because we won’t let them pacify us by their concessions.
Today we are here in the house of the former erotic art museum. And tomorrow we will show up at other places.
Against this controlled city we place the unpredictability of resistance.
Because this is our city, too.

What happened afterwards:

On saturday May 29th, at 10pm, the former erotic art museum in Hamburg / St. Pauli was squatted. The huge old building was opened for the public, a bar was set up, there was a party going on with a lot of people gathering from the nearby Hafenstrasse and pubs and alternative event locations.
At about 02am, news spread that the police is gathering forces and that an eviction is likely to happen. Still, when the police came an hour later noone was really prepared for it and there were no plans to effectively try to hold the place. At first, the police acted quite rude, dragging out people in handcuffs but in the end they didn’t arrest anyone and all people were released.
Later that night there were solidarity groups burning barricades in a street of St. Pauli and unluckily some were trapped by police forces and taken into custody.

Some mainstream links (with pictures):

http://archiv.mopo.de/archiv/2010/20100530/hamburg/panorama/von_linken_besetzt_polizei_raeumt_erotic_art_museum.html
http://www.abendblatt.de/hamburg/polizeimeldungen/article1513309/Hausbesetzer-im-Erotic-Art-Museum.html
http://www.abendblatt.de/hamburg/polizeimeldungen/article1513307/Hausbesetzung-auf-St-Pauli.html

st.pauliiiii!


Hamburg / St-Pauli: Ex-Erotic Art Museum in der Bernhard Nocht Strasse besetzt

  Hamburg / St-Pauli: Ex-Erotic Art Museum in der Bernhard Nocht Strasse besetzt


TAKE THAT – Denn dies ist auch unsere Stadt
29.05.2010

Dieser Raum ist besetzt. Er ist besetzt von uns, die von der „Wachsenden Stadt“ Hamburg ausgeschlossen werden. Besetzt von denen, die in ihr wohnen, arbeiten, feiern: hier leben. Besetzt von uns allen, die keine Ruhe geben werden.

Wir sind heute hier, an diesem Ort, weil die Entwicklung um das so genannte Bernhard-Nocht-Quartier ein Beispiel für die städtische Politik ist, die die fortschreitende Verdrängung der hier lebenden Menschen fördert. Hier, in diesem Viertel, wo bezahlbarer Wohnraum knapp ist, steht ein komplettes Gelände nahezu leer. Ein wenig sozialer Wohnungsbau darf erhalten bleiben. Der Rest wird in überteuerte Mietwohnungen überführt. Eigentumswohnungen werden hier entstehen, die sich nur eine kleine Schicht der Gesellschaft werden leisten können. Hier soll eine weitere matte Perle in einer überteuerten Kette entstehen, mit der sich die Stadt Hamburg schmücken will. Dieser Spirale der Ausgrenzung wollen wir uns entgegenstellen.

Diese Stadt kotzt uns an, mit ihren Eigentumswohungen, den luxussanierten Mietwohungen, mit ihren Ausschlüssen, die sie tagtäglich produziert, den Prestigeobjekten, wie die gerade befeierte Elbphilharmonie, der Privatsierung und Kommerzialisierung des öffentlichen Raums, ihrer Überwachung durch Videokameras und Kontrollen durch sog. Sicherheitsdienste und der verstärkten Polizeipräsenz. Diese Stadt ödet uns an, mit ihrer geplanten Langeweile durch einförmige Architektur und genormten Konsummeilen. Und trotzdem ist es auch unsere Stadt.

Wir sind hier, weil wir uns nicht durch Zugeständnisse befrieden lassen wollen. Wir sind nicht das schmückende Beiwerk. Heute sind wir hier, in den Räumen des ehemaligen Erotic Art Museums. Und morgen werden wir an anderen Orten auftauchen. Gegen diese kontrollierte Stadt setzen wir die Unberechenbarkeit des Widerstands.

Denn dies ist auch unsere Stadt.

+ http://de.indymedia.org/2010/05/282480.shtml

Take That